Das Dan-System

Erreicht ein Karateka die Stufe des ersten Dan (Schwarzgurt – Kuro-Obi), so wird oft angenommen, daß er nun die Kampfkunst gemeistert hat. Dies ist aber grundlegend falsch, da der erste Dan nur anzeigt, daß der Schüler die technischen Grundlagen gemeistert hat. Er ist nun bereit die Shu-Stufe zu verlassen und sich mit dem Geist des Budo zu befassen. Es gibt einen einfachen Satz, der diesen Sachverhalt deutlich wiedergibt.

„Karate-Do beginnt erst dort, wo die Technik aufhört.“

Das Dan-System ist deshalb noch einmal in verschiedene Stufen unterteilt worden, um auch hier ein voranschreiten symbolisieren zu können. Im Gegensatz zum Kyu-System gibt es aber hier keine Unterscheidungen durch eine Gürtelfarbe, sondern sie bleibt hier durchgehend schwarz. Es gibt zwar einige Ausnahmen, aber diese sind eher selten zu sehen. Zum Beispiel tragen einige höhere Dan-Träger, einen rot-weißen Gürtel, oder binden sich sogar wieder einen weißen Gürtel um, um anzuzeigen, das ein Meister auch weiterhin ein Schüler ist und immer wieder alles aufs neue erlernt. Öfter verbreitet hingegen sind die schwarzen Gürtel, die durch vielfaches Tragen langsam ihre innere, weiße Naht preisgeben. Auch hierdurch soll der oben angesprochene Kreislauf angedeutet werden.

Danstufen

1.Grad (Shodan) 6.Grad (Rokkudan)
2.Grad (Nidan) 7.Grad (Shichidan)
3.Grad (Sandan) 8.Grad (Hachidan)
4.Grad (Yondan) 9.Grad (Kudan)
5.Grad (Godan) 10.Grad (Judan)

Der scheinbar endlose Weg des Karateka bis zum Erreichen des Dan erscheint nun im Verhältnis zu dem, was noch vor ihm liegt, gar nicht mehr so groß. Denn erst jetzt erkennt er, daß der wahre Weg noch zu meistern ist. Erst mit der Zeit begreift er die Zusammenhänge und tastet sich Schritt für Schritt weiter. Sein Weg begann in der Form-Stufe (Shu) und führt ihn nun über die Ha-Stufe schließlich zur Ri-Stufe. Doch dieser Prozeß ist ein Prozeß, der ein lebenlang andauert und ständig Auswirkungen auf sein Leben hat. Seine Lebensweise wirkt aber wiederum auf sein Verhalten im Dojo ein. Es entsteht also eine Wechselwirkung bis hin zur Verschmelzung. Der Karateka trainiert nun nicht mehr das Karate-Do, sondern er lebt es.

Share
Top